PPWR und Konformitätsbescheinigung: Warum die Einhaltung von Verpackungsvorschriften mit Daten beginnt
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In ganz Europa nimmt das Bewusstsein für die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation – PPWR) schnell zu. Ich führe regelmäßig Gespräche mit Führungskräften aus Beschaffung, Nachhaltigkeitsteams, Verpackungs-F&E, Finanzwesen und operativen Abläufen und eines ist klar: Viele Unternehmen unterschätzen das reale Risiko noch immer.
Bei der PPWR geht es nicht nur um bessere Materialien oder Recyclingfähigkeit. Es geht um den Nachweis der Konformität – kontinuierlich, in großem Maßstab und mit überprüfbaren Daten. Und ohne diesen Nachweis können Produkte auf dem EU-Markt möglicherweise nicht verkauft werden.
Die unbequeme Wahrheit: Viele Unternehmen sind nicht bereit
Es gibt ein einheitliches Muster: Unternehmen behandeln die PPWR noch immer als ein Problem der Zukunft. Aber die Realität ist viel näher – und wirkt sich erheblich auf die Abläufe aus. Ab August 2026 müssen Verpackungen, die in der EU in Verkehr gebracht werden, durch eine Konformitätsbescheinigung unterstützt werden, die auf technischer Dokumentation und überprüfbaren Daten in der gesamten Wertschöpfungskette basiert. Heute arbeiten die meisten Unternehmen jedoch noch mit Folgendem:
- fragmentierten Verpackungsdaten, die über Tabellenkalkulationen und Altsysteme hinweg verteilt sind
- in PDFs und E-Mails vergrabenen Lieferantenerklärungen
- eingeschränkten Verknüpfungen zwischen Verpackungsspezifikationen und tatsächlichen Artikeln
- mangelnder Echtzeitsicht auf Konformitätsstatus oder -risiko
Dadurch entsteht eine kritische Lücke. Die PPWR fordert keine statischen Berichte, sondern einen systemgesteuerten Live-Nachweis der Konformität. Für viele Unternehmen gibt es diese Fähigkeit heute einfach nicht.
Vom Design für Konformität zum „Nachweis der Konformität“
Mit der PPWR wird ein grundlegendes Umdenken eingeführt. Es reicht nicht mehr aus, konforme Verpackungen zu entwickeln. Sie müssen in der Lage sein, das zu beweisen – jederzeit, für jedes Produkt, auf jedem EU-Markt. Dieser Nachweis muss Folgendes umfassen:
- Vollständige Materialkomposition, einschließlich bedenklicher Stoffe (Artikel 5) für alle Verpackungen – primär, sekundär und tertiär (Transport)
- Lieferantenerklärungen und untermauernde Belege (Artikel 38, 39)
- Prüfergebnisse und Konformitätsbewertungen (Anhang VIII)
Dies wirkt sich auf mehrere Rollen in Unternehmen aus:
- Für die Beschaffung bedeutet dies, dass die Verpackungsdaten der Lieferanten geschäftskritisch werden.
- Für F&E bedeutet dies, dass Designentscheidungen evidenzbasiert werden müssen.
- Für Nachhaltigkeitsteams bedeutet dies, dass Konformität messbar und überprüfbar sein muss.
- Für das Finanzwesen wird damit ein reales Umsatzausfallrisiko eingeführt – wenn Sie die Konformität nicht nachweisen können, können Sie das Produkt nicht verkaufen.
- Für Betriebs- und IT-Teams wird eine durchgängige Prozessintegration erforderlich.
Kurz gesagt: PPWR-Konformität wird zu einer funktionsübergreifenden, datengesteuerten Disziplin. Oder wie wir bei SAP gerne sagen: „Ihre Verpackungsstrategie wird zu einer Datenstrategie.“
Das Geschäftsrisiko: Umsatz, Kosten und Marktzugang
Die PPWR ist nicht nur ein rechtliches Problem, sondern ein betriebswirtschaftliches Thema, das Umsatz, Kosten, Risiko und Zugang zu Märkten betrifft.
Wenn die Konformität der Verpackung nicht nachgewiesen werden kann:
- Risiko, dass Produkte in der EU aus dem Verkauf genommen werden (ab August 2026)
- Umsatzrisiko direkt auf Artikelebene (auch August)
- EPR-Gebühren und -Strafen aufgrund suboptimalen Designs steigen (ab Anfang 2027)
Aus diesem Grund betrachten führende Unternehmen die PPWR aus einem neuen Blickwindel: als ein Marktzugangs- und Finanzrisikoproblem – nicht nur ein als Nachhaltigkeitsthema.
Die PPWR ist keine punktuelle Verordnung
Die PPWR wird im Laufe der Zeit weiter entwickelt. Von jetzt bis 2030 kommen immer wieder neue Vorschriften und Anforderungen hinzu (siehe Abbildung unten).
Warum Tabellenkalkulationen und Punktlösungen auf Dauer nicht funktionieren werden
Viele Unternehmen versuchen, mit schrittweisen Korrekturen auf die PPWR zu reagieren:
- Hinzufügen weiterer Tabellenkalkulationen
- Anfordern weiterer Lieferantendokumente
- Durchführung regelmäßiger Konformitätsprüfungen
Dieser Ansatz ist einfach nicht skalierbar, da die PPWR Folgendes erfordert:
- Kontinuierliche Aktualisierungen: Konformitätsbescheinigungen müssen aktualisiert werden, wenn die neuen Vorschriften im Laufe der Zeit eingeführt werden oder wenn sich Verpackungen ändern.
- Genauigkeit auf Artikelebene: Wir müssen die Attribute für jedes Element sehen und wissen, wie diese Elemente kombiniert sind, da dies für die Recyclingfähigkeit erforderlich ist.
- Revisionssichere Dokumentation: Daten müssen für Einwegverpackungen 5 Jahre und für Mehrwegverpackungen 10 Jahre aufbewahrt werden.
Dies kann nicht mit getrennten Tools oder Tabellenkalkulationen erreicht werden – diese können nicht geprüft werden, da jeder eine Zelle ändern kann! Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, mehr Daten zu sammeln – sie besteht darin, die Daten, die bereits im Unternehmen und in der gesamten Lieferkette vorhanden sind, zu verbinden, zu steuern und zu aktivieren. Hierfür wird ein robustes System benötigt.
Die bessere Lösung: ein digitaler Konformitätsdatenfluss
Um eine gültige Konformitätsbescheinigung bereitzustellen, benötigen Unternehmen einen integrierten, durchgängigen Datenfluss:
1. Datensammlung: Erfassen Sie strukturierte Lieferantendaten, Materialzusammensetzungen und Testergebnisse.
2. Datenintegration: Verknüpfen Sie Verpackungsspezifikationen direkt mit Produkten, Lieferanten und Stücklisten in Kernsystemen (z. B. ERP-Systemen).
3. Datenvalidierung: Wenden Sie gesetzliche Vorschriften an, um die Konformität zu bewerten (z. B. Stoffe, Recyclingfähigkeit).
4. Entscheidungsfindung: Das System sollte Antworten auf kritische Fragen in Echtzeit liefern:
- Ist diese Verpackung heute konform?
- Für welche Produkte besteht ein Risiko?
- Welche finanziellen Auswirkungen hat das?
5. Generierung der Konformitätsbescheinigung:
Generieren Sie automatisch revisionsfähige Konformitätsbescheinigungen in großem Umfang, die dynamisch mit den zugrunde liegenden Nachweisen verknüpft sind. Dies ist kein einmaliger Prozess, sondern eine kontinuierliche Konformitätsschleife, die eine dauerhafte Governance erfordert.
SAP Responsible Design and Production: eine Kontrollebene für Verpackungskonformität
SAP Responsible Design and Production wurde entwickelt, um diese Herausforderung proaktiv zu bewältigen. Anstatt als eigenständiges Tool zu fungieren, dient das Produkt als Steuerungsebene für Verpackungsdaten und -konformität. Es basiert auf SAP-ERP-Kernsystemen (SAP S/4HANA – entweder Public oder Private Cloud). Es wurde als Werkzeug für die Berechnung der EPR-Gebühren und der Kunststoffsteuer entwickelt, und die ersten PPWR-Funktionen werden im Juli oder Ende Juni für unsere Kunden produktiv bereitstehen – mit reichlich Vorlauf vor der Frist im August. Die Lösung ermöglicht Unternehmen Folgendes:
- Berechnung von EPR-Gebühren und Kunststoffverpackungssteuern sowie Modellierung von Szenarien für Verpackungen auf einer einzigen Plattform, die mit SAP-Kernsystemen verknüpft ist – sodass nahezu Echtzeitdaten zu Produktlieferungen vorliegen. Diese Funktionalität bietet sonst niemand an!
- Schaffung eines zentralen Datenpools: Verknüpfen Sie Verpackungsdaten direkt mit Produkten, Lieferanten und Handelsstrukturen, sodass die Konformität auf Artikelebene verwaltet wird.
- Koordination von Daten in der gesamten Wertschöpfungskette: Integrieren Sie Lieferantendaten, Verpackungsspezifikationen und gesetzliche Anforderungen in einem strukturierten Modell. Hierfür können Sie auf Lösungen wie SAP Integrated Product Development und SAP Product Compliance sowie ein umfassendes Partnernetz zurückgreifen.
- Automatisierte Konformitätsbewertung: Bewerten Sie Verpackungen kontinuierlich anhand von PPWR-Regeln, vermeiden Sie manuellen Aufwand und reduzieren Sie Risiken.
- Generierung revisionsfähiger Konformitätsbescheinigungen: Wandeln Sie Konformitätsbescheinigungen von statischen Dokumenten in systemgesteuerte Live-Ausgaben um, die immer auf die neuesten Daten abgestimmt sind.
Es ist Zeit zu handeln
Der August 2026 kommt schneller, als es scheint. Der Aufbau der erforderlichen Datengrundlage, Governance und Systemintegration braucht Zeit – insbesondere in den Bereichen Beschaffung, F&E, Nachhaltigkeit, Finanzwesen und Betrieb. Das Risiko ist klar: Viele Organisationen fliegen immer noch im Blindflug auf eine Frist zu, die sich direkt auf ihre Möglichkeit auswirkt, in der EU zu verkaufen. Wer jetzt in datengestützte Konformität investiert, erfüllt nicht nur die Anforderungen der PPWR, sondern schafft eine Grundlage für intelligentere, resilientere und rentablere Abläufe.
Wie lässt sich die PPWR einhalten?
Warum die Einhaltung von Verpackungsvorschriften mit Daten beginnt