CHROs als strategische Partner im KI-Zeitalter
Durch ihren Einfluss, der sich auf ein tiefes Verständnis der Mitarbeiterleistung im Unternehmen stützt, sowie durch ihre Führungsrolle im Änderungsmanagement und bei Schulungsmaßnahmen zu KI-Initiativen können Personalverantwortliche zu strategischen Partnern für das Topmanagement werden.
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Für einige Chief Human Resource Officers (CHROs) ist die Rolle als strategischer Partner eher ein Ziel als gelebte Realität. Zwar empfinden viele Führungskräfte aus dem Topmanagement diese Rolle als wichtig, doch unsere aktuelle Umfrage unter mehr als 500 Führungskräften – darunter CEOs, CFOs, CHROs, CIOs und COOs aus mittelständischen und großen Unternehmen – zeigt ein anderes Bild: 42 % der Befragten sehen die Personalabteilung nicht als gleichberechtigten Partner.
Obwohl die Personalabteilung häufig bei Personalthemen wie Einstellungen oder Weiterbildung mit anderen Geschäftsbereichen zusammenarbeitet, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie auch vollständig in strategische Initiativen wie Marktexpansion oder Produktentwicklung eingebunden ist. Tatsächlich geben 59 % der befragten Führungskräfte an, dass der Personalabteilung die notwendigen Fähigkeiten fehlen, um die Prioritäten des Topmanagements zu unterstützen.
Dies könnte sich jedoch bald ändern, und ein wichtiger Faktor ist hierbei die Technologie. Der Forschungsbericht „Die Rolle von HR im Topmanagement stärken“, der die Umfrageergebnisse mit qualitativen Interviews von 25 Führungskräften aus verschiedenen Regionen und Branchen ergänzt, zeigt zwei Wege auf, wie die Personalabteilung eine aktive und zentrale Rolle bei geschäftskritischen Technologieinitiativen übernehmen und so ihre Position als wichtiger Partner für das Topmanagement festigen kann:
- Die Führungsrolle bei KI-Initiativen übernehmen: Die Einführung von KI erfordert ein durchdachtes und effektives Änderungsmanagement. Aufgrund ihrer Erfahrung darin, Menschen bei Veränderungen zu begleiten und sie beim Aufbau von Kompetenzen zu unterstützen, ist die Personalabteilung hierfür ein naheliegender Ansprechpartner. Da KI Auswirkungen auf alle Abteilungen und Funktionen hat, betrifft ihre Einführung nicht einzelne Teams, sondern das gesamte Unternehmen.
- Daten zu Beschäftigten und Unternehmensleistung integrieren: Mit den richtigen Daten können Personalabteilung und Topmanagement gezielt zusammenarbeiten, um fundierte Entscheidungen zu treffen, Ausgaben intelligent zu steuern und die Wertschöpfung von KI-Investitionen zu verbessern.
Die Führungsrolle beim Thema KI übernehmen
Die Personalabteilung ist in einer einzigartigen Position, als Sprachrohr der Belegschaft in Unternehmen zu fungieren, die KI-Initiativen vorantreiben. Laut der Umfrage sind 92 % der Führungskräfte aus dem Topmanagement der Ansicht, dass die Personalabteilung für die erfolgreiche Einführung von KI entscheidend oder mitentscheidend ist. Sie haben erkannt, dass bestimmte Rollen bei KI-Initiativen am besten von der Personalabteilung übernommen werden sollten.
Die wichtigste dieser Rollen ist die Steuerung organisatorischer Änderungen. KI hat das Potenzial, tiefgreifende Änderungen herbeizuführen, und viele Unternehmen stoßen hier aufgrund ihrer eingeschränkten Anpassungsfähigkeit an ihre Grenzen. Die Personalabteilung kann hier den Weg für Akzeptanz, Verständnis und eine erfolgreiche Einführung der Technologie ebnen, insbesondere bei Mitarbeitenden, die Bedenken wegen der Auswirkungen des Einsatzes von KI haben oder zusätzliche Unterstützung beim Umgang mit neuen Technologien benötigen. Wird die Personalabteilung nicht in Entscheidungen zur Einführung von KI und in die Kommunikation dieser Entscheidungen an die Belegschaft einbezogen, sinken die Erfolgschancen einer erfolgreichen Einführung deutlich.
Hier sind einige Möglichkeiten, wie die Personalabteilung zu einer erfolgreichen Einführung von KI beitragen kann:
- Weiterbildung und Schulung: 91 % der Führungskräfte sind der Meinung, HR sollte Schulungsprogramme bereitstellen, damit die Anwender:innen die Vorteile von KI-Tools verstehen und lernen, sie zu nutzen.
- Onboarding von Change Champions: 83 % meinen, HR müsse Change Champions in den Teams erkennen und schulen, um Teamkollegen zu unterstützen und die KI-Akzeptanz zu fördern.
- Pilotprogramme: 72 % meinen, HR müsse Pilotprojekte auflegen, um kleinen Mitarbeitergruppen die Vorteile und Auswirkungen von Anwendungsfällen für KI nahezubringen, die im Unternehmen eingeführt wurden.
- Kontinuierlicher Support und Feedback: 67 % meinen, HR müsse regelmäßig Feedback der Mitarbeitenden zu KI-Tools und KI-gestützten Prozessen einholen und kontinuierlich Support und Ressourcen wie Helpdesks oder Onlineforen bereitstellen, die Fragen zu KI-Themen beantworten.
- Support durch Führungskräfte und Vorbilder: 60 % meinen, HR müsse dafür sorgen, dass Führungskräfte KI-Tools aktiv unterstützen und fördern, Erfolgsberichte aus dem Unternehmen teilen und sich als Vorbild für die ganze Belegschaft zeigen.
Aus den Antworten der Führungskräfte wird deutlich, dass CHROs nicht darauf warten sollten, bis das Topmanagement auf sie zukommt. Sie müssen selbstbewusst präsentieren, wie ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum Erfolg von KI-Initiativen beitragen können. Werden KI-Strategien ausschließlich vom CTO oder CIO oder von einem spezialisierten KI-Team ohne Einbindung der Personalabteilung vorangetrieben, besteht die Gefahr, dass wichtige Themen wie Änderungsmanagement, funktionsübergreifende Planung und Governance zu kurz kommen. Deshalb sollten CHROs von Beginn an betonen, wie wichtig diese Themen für die KI-Strategie sind.
Ein Beispiel dafür, wie die Personalabteilung eine Schlüsselrolle in einem KI-Team übernehmen kann, liefert ein US-amerikanisches Konsumgüterunternehmen, mit dem wir für diesen Bericht gesprochen haben. Als Mitglied des KI-Governance-Boards analysierte die Personalabteilung, welche Geschäftsprozesse am stärksten von KI profitieren würden, stellte diese Erkenntnisse dem Gremium vor und half so dabei, die notwendigen Investitionen zu sichern. Inzwischen ist die Personalabteilung auch aktiv an der Umsetzung der KI-Initiative beteiligt.
Bessere Entscheidungen durch Datenintegration
Ein wichtiger Faktor für eine starke Partnerschaft zwischen Personalabteilung und Topmanagement ist der Grad der Zufriedenheit beider Partner mit der Integration von Personaldaten und Unternehmensleistungsdaten.
Bei der Analyse der Unterschiede zwischen den Führungskräften aus dem Topmanagement, die eng mit der Personalabteilung zusammenarbeiten, und solchen, die dies nicht tun, spielte der Grad der Zufriedenheit mit der Datenintegration eine zentrale Rolle.
Insbesondere bei den Qualifikationen der Mitarbeitenden ist die Datenintegration entscheidend. Integrierte Daten helfen Führungskräften aus dem Topmanagement dabei, mögliche Kompetenzlücken zu erkennen und zu schließen, Risiken für die Mitarbeiterbindung zu antizipieren, in Weiterbildungsmaßnahmen und Talentgewinnung zu investieren und zukünftige Kompetenzanforderungen vorausschauend zu planen.
Wir haben z. B. den CHRO eines Reise- und Transportunternehmens interviewt, der von einer großen Investition in Elektrofahrzeuge als Teil einer Geschäftsstrategie zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und operativen Effizienz berichtete. Wie der CHRO erklärte, war dieses Vorhaben mit umfangreichen Schulungen und einem umfassenden Änderungsmanagement-Prozess verbunden. Anhand der integrierten Personal- und Betriebsdaten konnte das Team belegen, dass die Anfangsinvestitionen in Elektrofahrzeuge sowie die zugehörige Überwachungstechnologie und Personalschulung tatsächlich durch positive Ergebnisse in puncto Umweltschutz und operativer Effizienz gerechtfertigt waren.
Viele Unternehmen stehen jedoch noch am Anfang, wenn es um die Integration von Personal- und Betriebsdaten geht. Tatsächlich sind nur 38 % der Führungskräfte aus dem Topmanagement größtenteils oder vollständig mit der Integration der Personaldaten zufrieden. Während 23 % angeben, die Personaldaten erfolgreich mit anderen Daten aus dem Unternehmen zusammengeführt zu haben, können nur 8 % diese Daten für vorausschauende Prognosen nutzen und lediglich 3 % setzen KI und maschinelles Lernen für vorausschauende Analysen ein.
CHROs können diese Situation nutzen und Verantwortung übernehmen. Wenn sie dies tun, profitieren sie von zahlreichen Vorteilen wie besseren Entscheidungen im Talentmanagement, einer stärkeren Mitarbeiterbindung und größeren finanziellen Einsparungen. Erfolgreiche CHROs konnten so ihre Position in der Führungsetage stärken und sich als vertrauenswürdige Partner beweisen. Indem sie bei Technologieinitiativen, die strategisch wichtige Geschäftsziele unterstützen, eine Führungsrolle übernehmen, können andere CHROs dasselbe erreichen.
Die Rolle von HR im Topmanagement stärken
Praxisnahe Empfehlungen für HR-Führungskräfte, die ihre Zusammenarbeit mit dem Topmanagement nachhaltig stärken möchten