Was ist die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR)?
Die EPR ist ein Anreiz für Unternehmen, nachhaltigere und besser recycelbare Produkte und Herstellungsverfahren zu entwickeln.
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Übersicht: erweiterte Herstellerverantwortung
Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) ist eine proaktive Reaktion von Unternehmen auf die Bedrohungen durch die Klimakrise und die Umweltzerstörung. Moderne Hersteller müssen sich nicht nur auf Verbraucherlaunen und gesellschaftliche Entwicklungen einstellen, sondern auch auf immer neue Compliance-Anforderungen. Produktdesigner stehen also unter enormem Druck: Es muss schnell gehen, soll individuell und nicht zu teuer sein – und natürlich umweltschonend.
Für Unternehmen wird es von Jahr zu Jahr – wenn nicht von Monat zu Monat – schwieriger, ihre nachhaltigen Verfahren fortzuführen und zu verbessern und außerdem im Blick zu behalten, welche Regeln oder Umweltvorschriften die derzeit aktuellen sind. Das gesamte Umfeld wird immer komplexer, weshalb immer mehr Unternehmen nach passenden technologischen und strategischen Lösungen suchen, um ihre nachhaltigen Design- und Fertigungsprozesse zu optimieren.
Bedeutung: erweiterte Herstellerverantwortung
Die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) ist ein Konzept zur Vermeidung von Abfall und Verschmutzung und nimmt die Unternehmen in die Pflicht, ihre Produkte und Herstellungsverfahren nachhaltiger und recyclingfähiger zu gestalten. Um EPR-konform zu sein, müssen Unternehmen nachweisen, dass sie sich um ein Modell der Kreislaufwirtschaft bemühen, das die Wiederverwendung und den Rückkauf von Produkten sowie Recyclingprogramme umfasst. Während viele Unternehmen bereits aus eigenem Antrieb einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, verfolgt die erweiterte Herstellerverantwortung einen praktischeren Ansatz. Denn nachweislich ist dem Umweltschutz am besten gedient, wenn die Hersteller und nicht die örtlichen Behörden für die Kosten der Nachhaltigkeit zur Verantwortung gezogen werden, von der Rohstoffbeschaffung bis zum Ende der Lebensdauer und dem Recycling.
Die Dringlichkeit und der Druck zur Umsetzung der EPR-Konformität sind auf die alarmierende Menge an Abfällen zurückzuführen, die in zahlreichen Großstadtgebieten zu verzeichnen ist. Der kometenhafte Aufstieg des E-Commerce und die steigenden Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher bezüglich Auswahlmöglichkeiten und schneller Auftragsabwicklung haben dazu geführt, dass die kommunalen Abfälle rasant anstiegen. Schätzungen zufolge wird die Abfallmenge bis 2050 auf 3,40 Milliarden Tonnen weltweit anwachsen. Obwohl heute bereits 80 % des auf Deponien entsorgten Mülls recycelbar ist, werden nur 20 % davon tatsächlich recycelt.
Die immer größeren Mengen an Industrie- und gefährlichen Abfällen machen das Ganze nur noch schlimmer und zwingen sowohl Unternehmen als auch Regierungen dazu, komplett umzudenken und eine grundlegende Neuausrichtung zu fordern, wie Produkte verwendet und hergestellt werden. Zukunftsorientierte Unternehmen überarbeiten daher ihre Produktdesignprozesse, entscheiden sich für umweltfreundliche Materialien und nachhaltige Verpackungen und nutzen Kreislaufmodelle, um staatliche Interventionen umzusetzen (und ihnen vorzugreifen).
Von der Linearwirtschaft zum Design für die Kreislaufwirtschaft
Jeden Tag implementieren ambitionierte Unternehmen umweltfreundlichere Prozesse in ihre gesamten nachhaltigen Lieferketten. Dies umfasst in der Regel eine Reduzierung des Erdöl- und Energieverbrauchs, weniger Verpackungen, eine ethische Rohstoffbeschaffung sowie Kampagnen, die Kunden davon überzeugen sollen, Produkte wiederzuverwenden und zu recyceln. Doch die Einsicht, dass zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen das Produktdesign eine essenzielle Rolle spielt, setzt sich erst seit Kurzem durch.
Bisher ging es beim Produktdesign darum, Waren zu entwickeln, die am besten zu den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden passen. Was mit diesen Produkten nach der Nutzung durch den Kunden geschieht, wurde im Produktdesign nicht berücksichtigt– ein Grund, warum sich das lineare Designmodell so lange gehalten hat. Viele Unternehmen beginnen nun, ihre vorhandenen Produkte und Prozesse anzupassen – und stellen Designer und Hersteller vor die Aufgabe, sie umweltfreundlicher zu gestalten. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Eine vollständige Kreislaufwirtschaft und Lieferkette lassen sich nur erreichen, wenn Produkte von Anfang an unter Berücksichtigung kreislaufwirtschaftlicher Prinzipien entwickelt werden.
Ein Vergleich zwischen Kreislauf- und linearen Wirtschaftsmodellen.
Was ist ein Design für die Kreislaufwirtschaft?
Zu einem Design für die Kreislaufwirtschaft gehören Produktentwicklungen, bei denen vom Rohstoff bis hin zur Verpackung speziell auf einfaches Recycling und Wiederverwendung geachtet wird. Produktdesigner sind in der Regel kreative, einfallsreiche und innovative Menschen. Die besten Ideen und Ansätze zur Nachhaltigkeit entstehen deshalb häufig am Zeichenbrett und nicht in Vorstandssitzungen. Wie lässt sich ein Design für die Kreislaufwirtschaft erreichen? Im Folgenden finden Sie einige Grundlagen.
Tipps für nachhaltigeres Produktdesign
„Wie isst man einen Elefanten?“ lautet ein Sprichwort. Die Antwort darauf: „Stück für Stück“. Dies ist auch der beste Ansatz für die Umsetzung von EPR- und Umweltinitiativen. Nachfolgend sehen wir uns Richtlinien an, die bei EPR-konformen Produkten im Produktdesign angestrebt werden sollten. Viele Unternehmen berücksichtigen derzeit unter Umständen nur einen oder zwei dieser Grundsätze bei ihren Designprozessen – und daran ist nichts auszusetzen. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Ziel ist es, engagiert daran zu arbeiten, in möglichst kurzer Zeit eine praktikable und praxisnahe Strategie für EPR und Nachhaltigkeit zu entwickeln.
- Kann das Produkt recycelt, wiederverwendet oder zur Wiederverwendung gesammelt werden? Produkte sollten mit Blick auf das Ende der Lebensdauer entworfen werden. Recyclingfähige Komponenten sollten relativ einfach zu extrahieren sein, idealerweise in der Nähe ihres endgültigen Einsatzgebiets. Letztendlich sollte ein Unternehmen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft seine Altprodukte sammeln und wiederverwenden.
- Kann die Menge an Materialien reduziert werden? Bei Produkten und Verpackungen gilt: Klein ist erstrebenswert. Gerade in Zeiten steigender Kraftstoff- und Transportkosten können mit kleineren Einheiten mehr Einheiten pro Lieferung zu deutlich geringeren Kosten versendet werden. Weniger verarbeitete Materialien machen auch die nachgelagerte Rückgewinnung und das Recycling einfacher und kostengünstiger.
- Ist die Demontage schwierig? „Design für die Demontage“ ist ein Kriterium für Recyclingfähigkeit. Ein nachhaltiges Design zeichnet sich aus durch feste und bewegliche Teile, die leicht auseinandergenommen werden können, um das Recycling und die Wiederverwendung von Teilen oder Rohstoffen zu erleichtern.
- Ist es modular? Modularität oder das Bausteinprinzip ist auf dem Vormarsch – von flach verpackten Möbeln zum Selbstaufbauen bis hin zu vorgefertigten Häusern. Selbst in der Mode findet das Prinzip Anwendung: Der Trend geht zu Kleidungsstücken, die sich auseinandernehmen lassen und in anderer Konstellation für einen neuen Zweck oder je nach Jahreszeit zusammenstellen lassen. Dazu gehören beispielsweise abnehmbare Kapuzen und Arme, austauschbare Schuhsohlen usw.
- Wie lange ist das Produkt haltbar?Als Gesellschaft haben wir uns daran gewöhnt, dass wir Sachen schnell als veraltet aussortieren. Das geht soweit, dass Designer absichtlich optische Veränderungen vornehmen, damit „Vorjahresmodelle“ sichtbar alt wirken. Heutzutage wird im Produktdesign mehr Wert auf langlebige Produkte gelegt, was zur Entwicklung eines Marktes beiträgt, der sich durch lange Haltbarkeit und nicht durch billige Wegwerfware auszeichnet.
- Kann das Produkt leicht repariert werden? Da Verbraucher nach immer kleineren und leistungsfähigeren elektronischen Geräte verlangen, ist es verständlich, dass bestimmte Produkte nicht für eine einfache Reparatur gefertigt werden.
Umweltfreundliche Produkte: Der Anspruch, es richtig zu machen
Die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte kennt nur Gewinner: Unternehmen, Verbraucherinnen und Verbraucher und den Planeten. Unternehmen, die die Verbrauchernachfrage nach nachhaltigen Produkten bedienen, erzielen hohe Umsätze und Markentreue. 2019 führte die NYU Stern School of Business den Sustainable Market Share Index™ ein. Dies ist eine tiefgehende Analyse der Konsumentenkäufe, die für ihre nachhaltigen Eigenschaften vermarktet wurden. Die Studie ergab, dass der Anteil der im Hinblick auf Nachhaltigkeit vermarkteten Produkte zwar nur 16 % des Marktes betrug, aber fast 55 % des Marktwachstums bei Konsumgütern (CPG) von 2015 bis 2019 ausmachten –und das trotz der Coronapandemie.
Der Anteil der im Hinblick auf Nachhaltigkeit vermarkteten Produkte betrug zwar nur 16 % des Marktes, aber er machte fast 55 % des Marktwachstums bei Konsumgütern (CPG) von 2015 bis 2019 aus.
Sustainable Market Share Index™
Diese CPG-Produkte wurden im Vergleich zu konventionell vermarkteten Produkten mit um 39,5 % höheren Preisen veräußert. Diese beeindruckenden Zahlen sollten Anreize für Unternehmen schaffen, die befürchten, dass die Umstellung auf „grüne Produkte“ kostspielig sein wird.
Unternehmen, die im Rahmen ihrer sozialen Verantwortung umweltfreundliche Produkte entwickeln, verzeichnen enorme Steigerungen ihrer Reputation und haben die Möglichkeit, Fördermittel abzuschöpfen (und müssen keine Strafen zahlen). Kurz gesagt: Unternehmen, die EPR- und Designs für die Kreislaufwirtschaft anwenden, erhöhen ihre Resilienz und Effizienz in der gesamten Wertschöpfungskette. Und alle anderen profitieren ebenfalls von den umweltfreundlicheren Praktiken.
Kunststoffsteuer und kostspielige Fehler
Die weltweite Kunststoffproduktion beträgt im Durchschnitt mehr als 300 Millionen metrische Tonnen pro Jahr. 1950 waren es noch 1,5 Millionen metrische Tonnen. 45% davon sind Verpackungsmaterialien. Neben anderen schockierenden Statistiken über die weltweite Kunststoffverschmutzung hat die National Geographic Research mehr als 5,25 Billionen Kunststoffteilchen in unseren Ozeanen gefunden. Ein Großteil davon sind giftige Mikropellets, die bei der eigentlichen Herstellung der Kunststoffe freigesetzt wurden. Um diesem globalen Problem zu begegnen, beginnen Regierungen auf der ganzen Welt zunehmend mit der Einführung von Strafabgaben für Kunststoffe (Kunststoffsteuer). Die Verpackungsabgabe der Europäischen Union gilt beispielsweise in allen EU-Mitgliedsstaaten und berechnet ihnen 0,80 Euro für jedes Kilogramm Kunststoffverpackungsabfall, das nicht recycelt wird.
Im April 2022 hat Großbritannien seine Kunststoffverpackungssteuer überarbeitet, sodass Unternehmen, deren Produkte weniger als 30 % recycelte Kunststoffe enthalten, eine Geldstrafe zahlen müssen. In den USA ist der Break Free From Plastic Pollution Act aus dem Jahr 2021 derzeit Gesetzesvorlage und würde bei Verabschiedung bestimmten Herstellern von Kunststoffprodukten für das Sammeln, Verwalten und Recycling von Produkten nach der Verwendung durch den Verbraucher eine Steuer auferlegen.
Unterstützung von EPR mit intelligenter Technologie
Um EPR und andere Nachhaltigkeitsbemühungen zu unterstützen, müssen Hersteller Unmengen von Daten und Informationen sammeln, verwalten und analysieren – von der Sicherstellung der Herkunft von Rohstoffen bis hin zum Informieren der Kunden über umweltfreundliche Initiativen und Recyclingoptionen. Compliance muss gewährleistet sein, Prozesse müssen optimiert und automatisiert werden, und Produktdesign und Fertigung müssen in Echtzeit kommunizieren und zusammenarbeiten.
Um die zur Erreichung der EPR- und Nachhaltigkeitsziele erforderliche Geschwindigkeit, Transparenz und Differenziertheit zu erhalten, setzen Unternehmen auf cloudvernetzte, KI-gesteuerte Softwarelösungen, die in ihre vorhandenen Systeme integriert werden können, um das Potenzial von Daten zu nutzen.
Diese intelligenten Systeme helfen Unternehmen wie folgt:
- Überwachen Sie globale Berichtspflichten (z. B. für EPR, Kunststoffe) in Echtzeit.
- Automatisieren Sie Reporting- und Compliance-Prozesse weltweit.
- Erhalten Sie über eine transparentere Lieferkette On-Demand-Zugriff auf neue Materiallieferanten und ermöglichen Sie Remote-Forschungs- und Entwicklungsteams die Zusammenarbeit.
- Nutzen Sie KI und maschinelles Lernen, um sich über Designspezifikationen zu informieren und die Kreativarbeit zu erweitern.
- Verbinden Sie Designteams in Echtzeit mit Kundenfeedback und -eingaben, um schneller reagieren zu können.
- Verwenden Sie vorhandene Datenstrukturen erneut und integrieren Sie unterschiedliche Datensätze aus zahlreichen Quellen in ein einziges zugängliches System.
Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) – sind Sie für die Zukunft gerüstet?
Je unvorhersehbarer und komplexer Compliance-Probleme (und Verbraucher) werden, desto flexibler und effizienter muss sich Ihr Unternehmen aufstellen, um wettbewerbsfähig und erfolgreich zu sein. Intelligente Softwarelösungen für die Lieferkette und Fertigung tragen entscheidend dazu bei, Ihre Ziele zu erreichen. Trotzdem stehen die Menschen immer an erster Stelle. Lieferanten, Produktdesigner und Marketingteams – jede und jeder Einzelne in Ihrem Unternehmen kann etwas zur Nachhaltigkeit, Compliance und Kundenzufriedenheit beitragen. Dazu sind zunächst eine starke Kommunikationsstrategie, die Beseitigung von Datensilos und der Austausch von Ideen erforderlich. Das Ganze ist ein laufender Prozess, der Ihr Unternehmen Schritt für Schritt in eine vollständig nachhaltige Zukunft bringt.
SAP-Lösung
SAP Responsible Design and Production
Berechnen Sie die erweiterte Herstellerverantwortung, Kunststoffsteuern und Unternehmensverpflichtungen, um die Auswahl der Materialien zu optimieren.
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