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Elektrowerkzeug erzeugt Funken

Was ist Supply Chain Management (SCM) und warum ist es wichtig?

Im Grunde genommen umfasst Supply Chain Management alles, was hinter den Kulissen geschieht, um ein Produkt an einen Kunden zu liefern: Einkauf und Bestellung, Fertigung, Transport, Bestandsführung und noch mehr. Am Anfang gilt es, auf den Markt zu hören: Was wünschen sich Kunden – wann und in welcher Menge? Nun folgen alle weiteren Schritte von der Bezugsquellenfindung über die Produktion bis hin zur Logistik. Damit dieses äußerst komplexe Unterfangen so effizient wie möglich ist, muss jeder Partner – also jedes Glied in der Kette – in ein straff koordiniertes und reaktionsfähiges System eingebunden werden.

 

Im Jahr 2020 wurde der ganzen Welt schlagartig bewusst, wie wichtig Lieferketten tatsächlich sind. Als Lieferungen ausblieben und Hersteller wichtige Materialien nicht mehr beschaffen konnten, erkannten sowohl Unternehmen als auch Konsumenten den Wert resilienter und skalierbarer Supply Chains. Inzwischen stellen Unternehmen überall ihre globalen Lieferketten und die Technologien, die diese am Laufen halten, auf den Prüfstand und fragen sich, wie sie ihre Unternehmen zukunftssicher machen können.

Sehen Sie sich einmal um. Ohne Lieferketten wäre fast nichts in Ihrem Zuhause oder an Ihrem Arbeitsplatz dort, wo es sich jetzt befindet. Hunderte Millionen von Arbeitsplätzen auf der ganzen Welt hängen mit diesen Aktivitäten zusammen. Ob kostengünstige Konsumgüter, chirurgische Geräte oder lebensnotwendige Ressourcen – alles wird über eine Lieferkette abgewickelt. Doch obwohl das Supply Chain Management ein Kernelement der globalen Wirtschaft bildet, verwenden viele Unternehmen für ihre Lieferketten noch dieselben Prozesse und Maschinen wie bereits vor 50 Jahren.

 

Mit verbesserten  SCM-Verfahren können Unternehmen neu ausgerichtet werden. Sie werden wettbewerbsfähiger, indem sie Abfall und Überbestände minimieren, ihre Kosten senken und die Effizienz erhöhen. Sie sind in der Lage, durch individuelle und auf Präferenzen abgestimmte Logistikangebote die Kundenbindung zu stärken. Und sie können durch Automatisierung ihre Prozesse schneller, intelligenter und produktiver gestalten.  

In vergangenen Jahrzehnten wurden globale Lieferketten geschaffen, um von den niedrigen Löhnen und den kostengünstigen Rohstoffen in einigen Ländern zu profitieren. Inzwischen hat sich die Welt in vielerlei Hinsicht gewandelt. Handels- und Zollrichtlinien befinden sich im Wandel – mit oft unvorhersehbarem Ausgang. Die politische Zukunft ist ungewiss. Die Kunden wollen besser über die Herkunft und die Nachhaltigkeit ihrer Produkte informiert werden, von den Rohstoffen über die Verpackung bis hin zu den Kraftstoffen, mit denen die Lieferfahrzeuge betrieben werden, die zu ihnen kommen. Zum Glück hat sich auch die Technologie verändert. In modernen Lieferketten werden die in allen Gliedern erzeugten Big Data genutzt, um Produktions- und Fertigungsprozesse zu straffen und um mehr eigene Lösungen zu entwickeln.

Was ist Supply-Chain-Planung?

 

Supply-Chain-Planung ist der Prozess, einen Produktbedarf zu antizipieren und dann alle Glieder der Lieferkette zu koordinieren, um die Nachfrage zu befriedigen. Neben der Bedarfsprognose und ‑planung umfasst die Supply-Chain-Planung auch die Beschaffungsplanung, die  Materialbedarfsplanung, die Produktionsplanung und die  Vertriebs- und Produktionsplanung. Im modernen Supply Chain Management werden alle diese Pläne üblicherweise zentral in einem unternehmensweiten integrierten Plan zusammengeführt.

 

Was ist Logistikmanagement?

 

Logistikmanagement beschäftigt sich mit dem Transport und der Lagerung von Waren: vom Anfang der Supply Chain – mit Rohstoffen und Fertigung – über die Lieferung von Fertigerzeugnissen an Ladengeschäfte oder Kunden und Services rund um ein Produkt bis hin zu Retouren und Recycling. Zu den beteiligten Geschäftsfunktionen zählen die  Verwaltung der Eingangs- und Ausgangstransporte, das Flottenmanagement,  die Lagerverwaltung, die Bestandskontrolle und der Kundenservice.

 

Was sind Fertigungstechnologien?

 

Ein vorrangiges Ziel der  Fertigung im Supply Chain Management besteht darin, Produktion und Prozesse so schlank wie möglich zu gestalten und gleichzeitig Qualität, Nachhaltigkeit und Kundenzufriedenheit zu gewährleisten (und zu verbessern). Mit künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet der Dinge (IoT) ausgestattete Systeme in der Lieferkette können Big Data sammeln und analysieren, um Fertigungsprozesse zu straffen und zu automatisieren. Mithilfe von On-Demand-3-D-Druck können Materialengpässe und Überbestände vermieden werden, und intelligente Maschinen ebnen den Weg für kosteneffiziente Individualisierungen im großen Stil. 

 

Was ist Product Lifecycle Management (PLM)?

 

Product Lifecycle Management (PLM) ist die Verwaltung eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus hinweg: von der Ideenfindung über die Konstruktion und die Entwicklung bis hin zu Fertigung, Service und Entsorgung (oder Recycling).  PLM-Softwaresysteme führen diese Prozesse zusammen, erleichtern die unternehmensweite Zusammenarbeit und bieten grundlegende Informationen zu jedem Produkt über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. 

 

Was ist Enterprise Asset Management (EAM)?

 

Enterprise Asset Management ist die Verwaltung und Wartung physischer Anlagen entlang der gesamten Supply Chain, von Robotern in Fabriken bis zu den Lieferflotten. IoT-Sensoren, miteinander vernetzte Maschinen und digitale Zwillinge revolutionieren momentan das Enterprise Asset Management, denn sie verbessern die Effizienz, die Betriebszeiten, die Sicherheit und die präventive und vorausschauende Wartung. Einige vernetzte Anlagen können sogar Reparaturen oder Ausfälle prognostizieren und warten sich selbst – bis hin zur Beschaffung und Bestellung der Teile, die zur Verlängerung ihres Lebenszyklus benötigt werden.

 

Was ist Beschaffung im Supply Chain Management?

Beschaffung umfasst den Kauf von Materialien, Waren und Dienstleistungen für die Erfüllung von Geschäftsanforderungen sowie die Sicherstellung der Qualität und des Werts dieser Waren sowie die Aushandlung fairer Preise. Eine große Herausforderung bei der Beschaffung und Bezugsquellenfindung besteht darin, präzise Auftragsvolumen vorherzusehen, da sowohl Engpässe als auch Überbestände dem Unternehmen schaden können. SCM-Systeme, in die  maschinelles Lernen und vorausschauende Analysen integriert sind, können Beschaffung und Einkauf vor unliebsamen Überraschungen schützen.
  1. Höhere Produktivität: Mit EAM-Systemen und einer vorausschauenden Wartung können Maschinen und Systeme effizienter arbeiten. Dadurch werden Engpässe vermieden, Arbeitsabläufe verbessert und die Produktivität gesteigert. Automatisierte Prozesse und reaktionsfähige Datenanalysen verkürzen zudem die Versand- und Lieferzeiten.
  2. Niedrigere Kosten: Mit vorausschauenden Analysen sind keine mitunter kostspieligen groben Schätzungen mehr nötig. Dadurch werden unwirtschaftliche Lagerbestände sowie riskante Engpässe reduziert. Durch das Internet der Dinge werden vorhandene Anlagen reaktionsfähiger und stellen die in der jeweiligen Situation effizientesten und nützlichsten Arbeitsabläufe bereit. Dies führt auch zu präziseren Prognosen, um halbvolle Lieferfahrzeuge, unkoordinierte Lieferrouten und ineffizientes Flottenmanagement zu vermeiden.
  3. Mehr Agilität und Resilienz: Trends und Marktveränderungen treten häufig unvermittelt auf. Deshalb sind neben Anpassungsfähigkeit auch belastbare SCM-Systeme wichtig, die auf jede Situation reagieren können. Echtzeitdaten und aussagekräftige Informationen helfen Supply-Chain-Managern dabei, die Abläufe durch eine Neuverteilung von Maschinen und Mitarbeitern zu optimieren. Das Feedback von Kunden findet Gehör und kann direkt umgesetzt werden. Durch virtuelle Bestände und intelligente Lagerprozesse können Absatz und Bedarf fortlaufend aufeinander abgestimmt werden.
  4. Erhöhte Produktqualität: Wenn F&E-Teams direkten Zugang zu Kundenfeedback haben, können sie die Kundenanforderungen bei Produktdesign und ‑entwicklung umfassend berücksichtigen. F&E- und Fertigungsteams können mit bedeutenden Verbesserungen des Produktdesigns auf Kundentrends und ‑wünsche reagieren, indem sie die Erkenntnisse aus maschinellem Lernen und Analysen nutzen.
  5. Besserer Kundenservice: Die besten SCM-Praktiken sind kundenorientiert und auf Reaktions- und Anpassungsfähigkeit ausgelegt. Der Wettbewerb ist nur einen Klick entfernt, daher bietet ein modernes Supply Chain Management Unternehmen die Möglichkeit, Kundenfeedback und ‑trends in jeder Phase in Einklang zu bringen: von Design und Fertigung bis hin zur Logistik der letzten Meile, der Lieferung und Retouren.

Viele Jahrzehnte lang kam der Kunde nur mit dem Ende der Lieferkette in Berührung. Es wurde nicht groß darüber nachgedacht, woher die Produkte kamen, woraus sie hergestellt wurden und wie sie in den Laden gelangten. Heute jedoch sind transparente und nachhaltige Lieferketten für Konsumenten von entscheidender Bedeutung. Sie möchten die volle Kontrolle darüber haben, wie und wo sie einkaufen, und erwarten, bei der Erfüllung ihrer Wünsche bestimmte Optionen zur Auswahl zu haben.

 

Um auf dem heutigen Markt Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen, muss moderne SCM-Software in der Lage sein, alle in der gesamten Supply Chain erzeugten und erfassten Daten zu sammeln und auszuwerten. Es werden neue Technologien benötigt, um diese Daten voll auszuschöpfen, sie in Echtzeiterkenntnisse zu verwandeln und SCM-Prozesse und ‑Abläufe auf intelligente und flexible Weise zu automatisieren. Wir können zwar die Zukunft nicht vorhersagen, wir können jedoch sicher sein, dass sie wirtschaftliche Verschiebungen, unerwartete Ereignisse und sich stetig wandelnde Kundenwünsche mit sich bringen wird. Durch den Einsatz von daten- und technologiegesteuerten SCM-Systemen können wir das Supply Chain Management neu gestalten und die Art von neuen, reaktionsfähigen Lieferketten aufbauen, die wir für die 2020er-Jahre und darüber hinaus benötigen.

Es gibt viele neue und innovative Technologien, die eine Umgestaltung hin zur digitalen Lieferkette unterstützen. KI und maschinelles Lernen werden im Supply Chain Management zunehmend eingesetzt, ebenso wie das Internet der Dinge, Cloud und Edge Computing, vorausschauende Analysen, autonome Dinge wie Roboter und Drohnen, 3-D-Druck, Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Blockchain. Zusammen treiben diese Technologien die vierte industrielle Revolution – bekannt als Industrie 4.0 – voran und werden auch die Zukunft des Supply-Chain-Managements prägen.  

Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Lieferketten

 

Im Jahr 2019 konnte noch niemand wissen, welche unglaublichen Verwerfungen das Jahr 2020 mit sich bringen würde. Doch auch ohne dieses Wissen hätten wir mit Sicherheit besser vorbereitet sein können. Für Unternehmen auf der ganzen Welt war COVID-19 ein unwillkommenes Alarmsignal. Ihnen wurde bewusst, wie anfällig und veraltet einige ihrer Lieferkettenprozesse waren. Unternehmen, die künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und vorausschauende Analysen in ihre SCM-Systeme integrieren, können fundierte Entscheidungen treffen, sich schnell an unerwartete Ereignisse anpassen und ihre Resilienz verbessern.  

 

Der Amazon-Effekt 

 

Aufgrund des riesigen Lager-, Verpackungs- und Versandnetzwerks kann Amazon eine Lieferung am nächsten oder am selben Tag anbieten. Nun verlangen die Kunden von allen Online-Händlern die gleichen Liefergeschwindigkeiten. Der Amazon-Effekt hat große Auswirkungen auf das Supply Chain Management. Die Umstrukturierungen, die zur Erfüllung dieser Erwartungen erforderlich sind, sind umfassend und reichen von größeren Lagernetzwerken bis hin zu einer Auslagerung der Direktbelieferung.

 

Umweltfreundliche Supply Chains

 

Die Einbindung umweltfreundlicher Praktiken in das Supply Chain Management kann alles verändern – von Produktdesign und Materialbeschaffung über Fertigung, Logistik und Lieferung oder sogar der Entsorgung von Produkten und Geräten am Ende ihres Lebenszyklus. In zirkulären Lieferketten wird nicht nur das Recycling, sondern auch die Wiederverwendung von Plastikbestandteilen und elektronischen Komponenten von entsorgten Produkten angestrebt.

 

Transparenz in der Supply Chain

 

Im Jahr 2020 wissen Kunden mehr denn je über die Weltwirtschaft und möchten bei Unternehmen einkaufen, die in ihrer Supply Chain ethische Praktiken und Grundsätze fest verankert haben. Technologien wie Blockchain und Tracking-Sensoren schaffen mehr Transparenz und Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Von der ethischen Beschaffung von Rohstoffen und den in der Produktion eingesetzten Arbeitskräften bis hin zum Kraftstoff im Lieferfahrzeug: Kunden können Herkunft und Ursprung jedes einzelnen Glieds der modernen Lieferkette einsehen.

 

Omnichannel-Lieferketten

 

Die Erwartungen an den Omnichannel-Handel werden immer komplexer. Ein Onlineshop alleine reicht nicht. Unternehmen müssen auch dafür sorgen, dass virtuelle Einkaufserlebnisse und solche im stationären Handel nahtlos miteinander verschmelzen. Wie sie bezahlen, wo sie bestellen, wie sie ihre Waren erhalten und wie sie im Verlauf dieses Prozesses informiert werden: Kunden möchten Einkaufs- und Abwicklungsoptionen selbst kombinieren können. Die besten SCM-Systeme integrieren Kundenservice und Einkaufsmöglichkeiten über alle Kundenkontaktpunkte hinweg.

 

Handel und Politik im Wandel 

 

Die letzten Jahren waren geprägt von den Unwägbarkeiten neuer Handels- und Zollrichtlinien. Unternehmen, die in sehr hohem Maße von ausländischen Lieferanten und Herstellen abhängig waren, fühlen sich angreifbar und halten Ausschau nach sichereren, lokalen Optionen. Durch Lösungen, die das Internet der Dinge und eine bedarfsgesteuerte Fertigung (zum Beispiel 3-D-Druck) unterstützen, werden virtuelle Bestände und eine inländische Fertigung immer realistischer.  

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