|
Voraussichtliche
weltwirtschaftliche Entwicklung
Die globale Wirtschaft wächst 2005 etwas langsamer
Ungeachtet der zunehmend skeptischen Stimmen hinsichtlich
gestiegener Ölpreise und der Verlangsamung des Wirtschaftsbooms in Ostasien dürfte die Weltwirtschaft ihrem stetigen, wenngleich flacheren Wachstumstrend auch im Jahresverlauf 2005 weiter folgen. Von der Zinsseite werden keine nennenswerten Veränderungen und damit keine Belastungen erwartet. Sollte der fallende US-Dollar einen spürbaren Inflationsdruck in den USA auslösen, so werden in anderen großen Volkswirtschaften wie beispielsweise Europa sogar leicht deflationäre Gefahren ausgemacht. In der Weltwirtschaft dürften sich daher nach Einschätzung von OECD und IWF die unterschiedlichen Strömungen mehr oder weniger die Waage halten. Die Volkswirte des IWF rechnen 2005 mit einem globalen Wachstum in Höhe von 4,3 %.
Als Hemmnis der weltwirtschaftlichen Entwicklung erweisen sich gegenwärtig die USA mit ihrem hohen Doppeldefizit in Staatshaushalt und Leistungsbilanz. Hinzu kommt eine rückläufige Konsumnachfrage der privaten US-Haushalte. Dennoch dürften auch 2005 die hohen Staatsausgaben das Wirtschaftswachstum in den USA zunächst noch stützen. So rechnet die OECD für die Vereinigten Staaten mit einem Wachstum von 3,3 % im Jahr 2005.
Der Ölpreisanstieg wird 2005 voraussichtlich auch an den dynamischen Wirtschaftsnationen in Ostasien nicht spurlos vorbeiziehen. So erwartet der IWF, dass das Wachstum in China 2005 mit 7,5% geringer ausfällt als 2004. Stärker fällt der Dämpfer nach Einschätzung der OECD in Japan aus. Sie erwartet für 2005 ein japanisches Wirtschaftswachstum von lediglich 2,1 %. Diese Wachstumsdelle, die primär auf der Verlangsamung des Exportwachstums beruht, soll aber nach Einschätzung der japanischen Zentralbank schon Ende 2005 wieder überwunden sein. Für alle Länder Ostasiens sehen die deutschen Wirtschaftsinstitute in ihrem Herbstgutachten ein Wachstumsplus von 4,7 %.
Für Europa rechnen die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 % im Jahr 2005. Die Perspektiven fallen deshalb vergleichsweise günstig aus, weil die überwiegende Mehrzahl der Rohstoffe in US-Dollar notiert wird und entsprechend der Preisanstieg auf Grund des starken Euro hier deutlich schwächer erwartet wird als im Dollar-Raum. Aber auch Europa ist nicht frei von konjunkturellen Risiken: So stagniert der private Verbrauch weiterhin. Hinzu kommt die Achillesferse der angespannten öffentlichen Haushalte in den Ländern der Euro-Zone. Und noch ist offen, wie stark sich der Ölpreisanstieg und das verlangsamte Weltwachstum auf den Export auswirken.
Unverändert dürfte Deutschland im internationalen Vergleich wieder zu den Schlusslichtern in Sachen Wirtschaftswachstum zählen. Die volkswirtschaftlichen Auguren sind sich dabei relativ einig. Die Wachstumsprognosen für das Jahr 2005 von OECD (1,4 %), Herbstgutachten (1,5 %) und deutscher Bundesregierung (1,7 %) liegen auf ähnlichem Niveau. Positiv dürfte sich die nächste Stufe der deutschen Steuerreform auf den privaten Konsum auswirken, negativ die weltweit nachlassende Wirtschaftsdynamik auf den Export. Größte Unbekannte ist nach Angaben der Experten die Entwicklung des Ölpreises. |